DOKUMENTUMOK

Eva J. Engel

Die Gesammelten Schriften Moses Mendelssohns
Eine Edition der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel

2020.06.24.

I.

Die Akademie für die Wissenschaft des Judentums und die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums unternahmen im Jahr 1925 die Planung einer ‚Jubiläumsausgabe‘ aller erhaltenen Schriften des Moses Mendelssohn (1728–1786). Ein dazu 1929 begründeter Ehrenausschuss zählte 31 namhafte Persönlichkeiten und verwies, neben der Unterstützung der Nachkommen und des Bankhauses Mendelssohn & Co., auf die Beteiligung seitens englischer, niederländischer und deutscher Philanthropen.

 

Zu den Gelehrten gehörten die Vorsitzenden der Kaiser Wilhelm Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften, der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums, des Dropsie College for Hebrew and Cognate Learning in Philadelphia und des Pariser Institut International de Coopération Intellectuelle. Zu den noch heute berühmten Mitgliedern des Ehrenausschusses gehörten die Professoren Ernst Cassirer, Adolf von Harnack, Kurt Hensel, Paul Hensel, Lucien Lévy-Brühl, Henri Lichtenberger, Albrecht Mendelssohn Bartholdy, Claude G. Montefiore und Eduard Spranger.

 

Für die sorgfältige Planung der Verwirklichung einer Gesamtausgabe sprach die Ernennung des Herausgebertriumvirats. Es bestand aus dem Exegeten und Historiker Ismar Elbogen, dem Philosophen Julius Guttmann und dem Judaisten Eugen Mittwoch. Dieses Gremium ernannte fünf junge Fachwissenschaftler, die kraft ihrer Bearbeitung von sieben Bänden zwischen 1929 und 1938 ihr späteres Ansehen begründeten: den Spinozaforscher und späteren Präsidenten des Leo Baeck Instituts in USA: Fritz Bamberger, den Musikologen und Hebraisten Haim Borodianski, den Philosophiehistoriker Simon Rawidowicz, den Philosophiehistoriker Bruno Strauss und den Staatsökonom und Philosophen Leo Strauss.

 

Was veranlasste den Wunsch und die zeitlich begründete Planung einer Gesamtausgabe? Zugrunde lag das Bestreben, im frühen 20. Jahrhundert endlich und so erschöpfend wie möglich das Wirken und die Wirksamkeit einer bereits 1786 verstorbenen Persönlichkeit in all ihrer Bedeutung darzulegen. Besondere Aufmerksamkeit verdienen – damals wie heute – die Beiträge dieses Forschers zu den multidisziplinären Wissensgebieten der Spätaufklärung und ihrer Ideale, besonders im Hinblick auf die Lebensbedingungen eines vom Schicksal nicht gerade begnadeten Mannes, dem neben seinem Brotberuf nur wenige Stunden im Tagesverlauf zum Lesen, Forschen und Schreiben zur Verfügung standen.

 

Wie sorgfältig war Mendelssohns literarisches Erbe vor 1929 überliefert worden? Das Aufspüren ihm namentlich zugeschriebener Drucke war in zweifacher Hinsicht erschwert. Erstens: Bis 1763, der Verleihung des Preises der Kgl. Akademie, waren alle Schriften Mendelssohns anonym erschienen. Zweitens: Gemäß dem Brauch der Zeit blieben Artikel absichtlich entweder unsigniert oder sie brachten den Namen des Verfassers in Form einer Chiffre. Somit war etwa ein Viertel des Mendelssohn’schen Oeuvres nicht unter seinem Namen in Druck gelangt. Trotzdem lässt sich bereits 1755 aus Briefen Johann Georg Sulzers aus Berlin an Johann Jacob Bodmer in Zürich ersehen, dass man in Mendelssohns Beiträgen zur Metaphysik wie zur objektiven Literaturwissenschaft auf die erstaunlichen Kenntnisse

und seinen guten Stil aufmerksam geworden war. Schon 1765 setzten in Besprechungen des knapp 21jährigen Johann Gottfried Herder in den Königsbergische Gelehrte und Politische Zeitungen Lobreden auf die anonymen Beiträge Mendelssohns ein.

 

II. Sammelwerke zu Lebenszeiten

Laut Inschrift des am ersten Jahrestag seines Todes, im Januar 1787 gesetzten Grabsteins, wurde Moses

Mendelssohn (MM) am 17. August 1728 in Dessau geboren und starb am 5. Januar 1786 in Berlin.

Zu seinen Lebzeiten gab es an Gesamtausgaben der im Druck vorliegenden Schriften als Sammelwerk nur: MM Opera Philosophica, quae e germanico in Latinum traduxit (Übers.: Josephus Grossinger).

Tomus Primus (Tomus Secundus). Viennae et Lipsiae, apud Joannem Georg Mössle, 1784.

Diese lateinische Fassung bezog sich auf vier Werke:

Band I: a) De Probilitate, in: Philosophische Schriften, 1781, S. 187–228: „Gedanken von der Wahrscheinlichkeit“. Ursprünglich anonym in Vermischte Abhandlungen und Urtheile über das Neueste aus der Gelehrsamkeit. Teil III. Berlin: Christian Friedrich Voss. S. 3–26. (Jubiläumsausgabe 1, S.149–164);

b) Dialogi = Philosophische Gespräche. Berlin: Christian Friedrich Voss, 1755, 108 S.; c) Abhandlung von der Unkörperlichkeit der menschlichen Seele. Izt zum ersten Mal zum Druck befördert. Wien: Sebastian Hartl. 1785, 79 S.

Band II: Phädon oder über die Unsterblichkeit der menschlichen Seele // in drey Gesprächen, Berlin und Stettin: Friedrich Nicolai, 1767 (6 Bl., 309 S.) 8° (Jubiläumsausgabe 3.1, S. 5–128).

 

III. Mendelssohns Gesammelte Schriften im 19. Jahrhundert

Die überlieferten Zeugnisse seiner Forschung und seines Denkens, sei es in Handschriften oder in gedruckter Form, sind bis zum heutigen Tage nie in ihrer ganzen Ausführlichkeit, also in Gesamtausgaben, gedruckt worden.

Erste Ansätze geschahen jedoch bereits ein Vierteljahr nach dem Tode des Mannes durch Mendelssohns Witwe Fromet (*1737), die – anscheinend unabhängig von David Friedländer (*1750) –, am 18. Mai 1786 in der

Berlinischen Königlich Privilegirten Zeitung bekannt gab, dass an eine Ausgabe der Werke gedacht werde. Sowohl bei ihr wie bei David Friedländer, der auch eine Gesamtausgabe der Werke des verstorbenen Freundes im Sinne hatte, blieb das Vorhaben reine Utopie. Erst zwischen

1819 und 1825 erschien, ohne Herausgebernamen, eine zwölfbändige Ausgabe in kl. 8° in Ofen bei Paul Burian. Das Vorwort stammt von David Friedländer. Die Bände 1–8 erschienen 1819, Band 9 1820, die Bände 10 und 11 tragen das Erscheinungsdatum 1821, Band 12 erschien 1825.

Inhalt der Bände:

1: 5Phaedon, von David Friedländer in Berlin bei Nicolai 1814 herausgegeben.

2 und 3: Philosophische Schriften in der Ed. Pr. von 1761, bei Christian Friedrich Voss.

4:

MMs kleine philosophische Schriften, Mit einer Skizze seines Lebens und Charakters :von Daniel Jenisch. Berlin: Friedrich Vieweg, 1789.

5:

Jerusalem oder über religiöse Macht und Judentum. Berlin: Friedrich Maurer, 1783.

6:

MMs Morgenstunden oder Vorlesungen über das Daseyn Gottes. Berlin: Christian Friedrich

Voss, 1785. kl. 8°.

7:

4Ritualgesetze der Juden, Berlin: Vossische Buchhandlung, 1799.

8:

2Die Psalmen. Uebersetzt von MM. Berlin: Friedrich Maurer, 1788.

Schriften Moses Mendelssohns

9: Gelehrter Briefwechsel zwischen D. Johann Jacob Reiske, MM und Gotthold Ephraim Lessing,

Berlin: Nicolai, 1789 (Hrsg. Karl Gotthelf Lessing).

10:

a) Abhandlung über die Evidenz in Metaphysischen Wissenschaften, welche den von der Königlichen Academie der Wissenschaften in Berlin auf das Jahr 1763 ausgesetzten Preis erhalten hat, von MM aus Berlin. Haude und Spener. Königl. Akademie der Wissenschaften Buchändlern, 1764.

b) Abhandlung über den Kommerz zwischen Seele und Körper. (Aus dem Hebräischen übersetzt von Salomon Anschel) Frankfurt/M. (Bonn: Johann Friedrich Abshoven): 1788.

c) Hohes Lied. Mit deutscher Übersetzung von MM und Worterklärung. Hrsg. Aaron b. Wolfsohn u. Joel (Löwe) Brill. Berlin: Jüdische Freyschule, 1788.

11:

a) MM an die Freunde Lessings. Berlin: Christian Friedrich Voss und Sohn, 1786 (Hrsg. Johann Jakob Engel).

b) MMs Anmerkungen zu Abbts freundschaftlicher Correspondenz ... Berlin und Stettin: Friedrich Nicolai, 1782.

c) MMs kurze Abhandlung von der Unsterblichkeit der Seele aus dem Ebräischen übersetzt von H. J. Berlin und Stettin: Friedrich Nicolai, 1787.

12:

Manasseh Ben Israel Rettung der Juden ... Nebst einer Vorrede von MM. Als ein Anhang zu des Hrn. Kriegsraths Dohm Abhandlung: Ueber die bürgerliche Verbesserung der Juden. Berlin und Stettin: Friedrich Nicolai, 1828. Die Auflagenhöhe bleibt unbekannt, so dass diese erstaunlich vielseitige Ausgabe, die bereits eine Auswahl von Briefen vorlegte, äußerst selten ist. Desgleichen der Duodez-Nachdruck in 13 Teilen von 1828–1837 in Rödelheim: Johann Lehrberger.

Sichtlich aber hatte die Einbeziehung von Briefmaterial Aufmerksamkeit erregt. So kam es 1831 zwar nicht zur Herausgabe einer Gesamtausgabe durch Jeremias Heinemann, jedoch zu der Sammlung theils noch ungedruckter, theils in anderen Schriften zerstreuter Aufsätze und Briefe von ihm, an ihn und über ihn. Leipzig: Georg Wolbrecht, 1831, 8° (X, 440 S.).

Als Titelbild bringt dieser Band eine besonders prägnante Adaption des 1778er Halbrelief (Öl auf Leinwand) Grisaille-Kopfbildes von Johann Christoph Frisch (1738–1815) im ovalen Rahmen, der sich mit dem ovalen Rahmen des links gegenüberstehenden Kopfbildes des Sokrates überschneidet. Über beiden steigt mit weitausgestreckten Schwingen die Eule im Strahlenkranz als Sinnbild der

Athena, der Göttin der Weisheit, empor. Mitten auf dem mit Lorbeerblättern bestreuten Sockel der beiden Ovalreliefs befindet sich der Totenkopf, das Symbol der Vergänglichkeit. Vollendet wird die Allegorie, wie schon auf dem von MM entworfenen Titelbild zum Phaedon, durch den dort ruhenden Schmetterling: dem Symbol der seelischen Unsterblichkeit der Menschheit. Entworfen wurde dieses Sinnbild 1819 durch den Kupferstecher und Radierer Moses Samuel Löwe (1756–1831). In Heinemanns Sammlung ist die Zeichnung im Namen des Johann Daniel Laurens unterzeichnet und als Titelbild mit dem auf Löwes Todesjahr abgeänderten Datum: Berlin 1831 versehen. – Um jedes Missverständnis auszuschließen, trägt der Sockel die Namen der beiden Weltweisen in Großbuchstaben. Auf eigenem Blatt erscheint die Widmung: „Allen / Freunden und Verehrern / des / verewigten Weisen / die wie Er der Wahrheit huldigen.“ Im Vorwort erklärt Heinemann als Herausgeber:

„Der Zweck dieser Sammlung ist zunächst: den jungen Glaubensgenossen des verewigten MM, die sich den Studien widmen, Materialien zu einem ausführlichen Gemälde des Weisen zu liefern, der in jeder Beziehung ihr Muster und Vorbild sein soll ... Auch die kleinsten Aufsätze, Briefe, Anekdoten, sinneiche Worte von ihm sind des Aufbewahrens werth“. In diesem Sinne enthält Heinemanns Sammlung Bausteine zu einer MM-Biographie und bringt die Urteile der Zeitgenossen, den Einsatz für zu Unrecht Verfolgte, Unterhaltungen mit ihm, wichtige Briefe, z.B. an den Erbprinzen von Braunschweig, von und an Abbt, Charles Bonnet, Hamann, Lessing, Wieland. Nicht zu vergessen den bewegenden Brief an den Bruder des gerade verstorbenen Lessing.

Von MMs engstem Berliner jüdischen Freund, David Friedländer, stammen zwei Aufsätze: Erinnerungen an Unterhaltungen (S. 104–146) und das Fazit „Ueber MM, seinen Karakter, seinen Wirkungskreis und seine Verdienste um die Israeliten“ (S. 430–440).

Ein weiterer Versuch, MMs sämmtliche Werke. Ausgabe in einem Band als National-Denkmal von Franz Gräffer herauszugeben, erschien 1838 in Wien: Mich. Schmidts sel. Witwe & Jürgen Klang in Groß 8° in 1016 Seiten. Als Titelbild beigegeben ist 1. das von Joseph Stöber gestochene Brustbild (mit Perücke) nach halblinks des Ölgemäldes von Anton Graff (1770) und 2. eine Facsimile-Reproduktion der Handschrift Mendelssohns.

Wichtig im Text-Sammelsurium des Riesenbandes sind (S. 812–946) der Briefwechsel sowohl mit Lessing und Abbt, wie auch mit Hamann, Herz Homberg, Fromet Guggenheim, Avigdor Levi und, außer dem „Lebensumriß“ (S. 1013–1016), die Stammbuch-Widmung vom 7. Januar 1778 an den von MM bewunderten Hamlet-Schauspieler Johann Franz Hieronymus Brockmann (1745–1812) und das Vorhandensein einiger Beispiele von Übersetzungen aus diversen Sprachen.

IV. Die Brockhaus-Ausgabe von 1843–1845 Nach 1838 erinnerte man sich Mendelssohns in den nächsten Jahrzehnten nur, wenn ein Gedenktag bevorstand. Sonst schien er bis in die 1840er Jahre, genauer bis zu einem denkwürdigen Herbstabend in Leipzig, in Vergessenheit geraten zu sein. Doch damals, zur Zeit des Laubhüttenfestes, kam es zu einem ganz besonderen Erlebnis für den Enkel Felix Mendelssohn Bartholdy. Erstaunlicherweise hat sich ein Bericht dieses Abends viel später in Die Gartenlaube des Jahres 1868 erhalten. Auf den Seiten 628–631 beschreibt Albert Fränkel: „als Felix Mendelssohn einst an einem mondhellen Septemberabend über den sogenannten Brühl in Leipzig schritt, stieß er ... auf die patriarchalische Gestalt eines greisen Juden, der eben segnend seine Hände auf das niedergebeugte Haupt eines vor ihm stehenden Knaben legte und diesen sodann mit zärtlicher Innigkeit in seine Arme schloß“.

Im Laufe des sich ergebenden Gesprächs erfuhr Felix, warum dieser so schwächliche und leidend aussehende Junge aus dem fernen Russland gebracht worden sei: „Damit er ein Mensch werden soll, lieber Herr, was bei uns zu Hause, im Innern Rußlands, nicht möglich ist.“ Daher beschloss der besorgte Großvater seine letzten Mittel aufzubringen und solange in Berlin ein Bettler zu sein: „bis ich ihm einen Platz in einer guten Schule und den nothdürftigsten Unterhalt verschafft habe ... Ist doch der große Weltweise MM einst als ein blutarmer schwächlicher Judenknabe nach Berlin gekommen und doch nach überstandener Noth und Kümmerniß einer der verehrtesten Männer seines Vaterlandes und ein Licht in seinem Volke geworden. Mögen seine Tugenden meinem verlassenen Kinde ein Vorbild bleiben, ich erzähle ihm täglich davon und kann ihm in unserer Lage nichts Besseres zurücklassen.“

Diese plötzliche Erinnerung an seinen in fernen Ländern immer noch so hoch verehrten Großvater empfand der Enkel als besonders erschütternde Mahnung. War es nicht dringend nötig, in Deutschland das Andenken an den Großvater zu erneuern, zu ehren? Auf Felixens Bitte an seinen Onkel Joseph, MMs ältesten Sohn (1770–1848), kam es 1843–1845 bei Friedrich Arnold Brockhaus zum Druck der siebenbändigen (in acht) Ausgabe von MMs gesammelte Schriften. Nach den Originaldrucken und Handschriften.

Es war Joseph, der die treibende Kraft beim Entstehen dieser Ausgabe war. Er bemühte sich nicht nur um das Sammeln der Inedita. Er wandte sich an den königlichen Bibliothekar mit der Bitte, ihm Drucke, hauptsächlich Periodika des 18. Jahrhunderts, und Aufsätze des Vaters, an deren Titel der Sohn sich nicht mehr erinnerte, zur Verfügung zu stellen. Es galt, erhaltene Briefe zu suchen und deren Originale zu erbitten. Joseph selber verfasste die Lebensgeschichte seines Vaters (Bd .1, S. 3–56). Er war derjenige, der die ganze Korrespondenz mit dem Verleger auf sich nahm, der den Gelehrten Fürchtegott Lebrecht während und für die Drucklegung als Korrektor einstellte.

Die acht Bände bestehen hauptsächlich aus Text. Ein Kommentar ist nur in bescheidenem Maße in gelegentlichen Fußnoten, manchmal in einleitenden Absätzen vorhanden. Die Orthographie wurde leider der des 19. Jahrhunderts angepasst. Dies ist besonders misslich in der von Heymann Jolowicz gebrauchten Umschrift der Pentateuch-Übertragung Mendelssohns. Hebräische Schriften im Original wurden leider ebenso wie die Standorte des gebrachten Handschriftenmaterials ausgespart.

Dagegen bietet diese Ausgabe als Auftakt nicht nur ein Bild des Autors, sondern zwei für MM charakteristische, handschriftlich wiedergegebene Aussprüche in deutscher und in lateinischer Schrift. Als besonderen Gewinn gibt es reichliches, in Empfängergruppen unterteiltes Briefmaterial, in Bd. 4.2 ein alphabetisches Verzeichnis der von Mendelssohn beurteilten Schriften und im Bd. 7 einen Conspectus aller in dieser Ausgabe vorgelegten Schriften.

 

Inhalt der Bände:

1: bringt als Titelbild einen Stich des jungen MM mit kurzem Kinnbart, lockiger Perücke und offenem Rock, vermutlich Zeichnung nach Johann Gotthard von Müllers Kupferstich. Dieser war kurz nach MMs Tod 1786 als Andenken entstanden. Die Qualität der Zeichnung ist umso bedauerlicher, als von Müllers Vorlage seinerseits der sogenannte kleine Frisch von 1786 gewesen zu sein scheint (eine Frisch-Replik seines ‚Großen Frisch‘ von ca. 1778).

Es folgt die Lebensgeschichte (S. 3–56), eine Einleitung (S. 57–100) zu dem Text der Philosophischen Schriften von 1761 (Teil I: S.59–231): Ueber die Empfindungen; Gespräche und der Teil 2 der Philosophischen Schriften (S. 235–398).

2 (1843):

Abhandlung über die Evidenznz (S. 63); Phädon (S. 207); Unkörperlichkeit der Seele (S. 233); Morgenstunden (S. 411–451); Sache Gottes oder die gerettete Vorsehung.

3 (1843): An die Freunde Lessings; Schreiben an d. Herrn Diaconus Lavater

(S. 37); Antwort an den Herrn MMMM (S. 51); Correspondenz mit Lavater, Bonnet, Erbprinzen (S.79); Betrachtungen über Bonnets Palingenesie (S. 135); Manasseh b. Israel, Rettung der Juden (S. 177); Jerusalem ... (S. 255); Bereits gedruckte Kleine Schriften über MM (S. 363–480): an Michaelis zu Dohm: Bürgerliche Verbesserung d. Juden, aus: Berlinische Monatsschrift

(S. 368); „Philantropinische Erziehung jüdischer Kinder“ (S. 417); „Seelennaturkunde“ (S. 423); aus: Kleine philosophische Schriften (Hrsg. Johann Georg Müchler), und aus: Der Chamaeleon (S. 445–480).

4.1 (1844): Versuch vollkommen gleichschwebende Temperatur durch die Construction zu finden. Sehr wichtige Artikel aus: Neue Berl. Monatsschrift, 1810 (S. 129–153); MMs Anteil an: Bibliothek der schönen Wissenschaften und der freyen Künste, (Bde 1–4: 1756–1759) (S. 155–496); MMs Anteil an: Briefe, die neueste Litteratur betreffend, 1759 (S. 497–599).

4.2 (1844): MMs Anteil an: Briefe, die neueste Litteratur betreffend, 1760–Juli 1765 (S. 1–460); MMs Anteil an: Allgemeine deutsche Bibliothek (S. 461–564). Gebracht wurden nur durch MMs Chiffren G, Q und Am signierte Beiträge.

5: Alphabethisches Verzeichnis der vorgelegten Korrespondenz (S. XV–XXXII): I. MMs Briefwechsel mit Lessing (bis S. 203); Nicolais Anmerkungen dazu von 1794 (S. 204–228); II. Briefwechsel mit Abbt (S. 229–369) und dazu 1782 MMs Anmerkungen (S. 370–408); III. Briefe an Verschiedene (S. 409– 650); IV. MMs Briefe an Herz Homberg (S. 651–686); V. MMs Briefe an die Geschwister Elise und Johann Albert Heinrich Reimarus (S. 687–724). 12 Artikel zu MMs Anteil an der Allgemeinen deutschen Bibliothek (1765–1775).

6 (1845): I. Ritualgesetze der Juden, (S. 1–118); II. Siegeslied der Deborah (S. 149); III. Die Psalmen (S. 125–366); IV. Salomo‘s hohes Lied (S. 367–390); V. Vers-Übersetzungen (S.391–404); VI. Ermahnungsformel beim Judeneide (S.405); VII. Friedenspredigt 1763 (S. 407); VIII. Andachtsübung (für Lesebuch f. jüdische Kinder) (S. 416); IX. „Zufällige Gedanken über des Hrn. Prof. Kypke Beschuldigungen der Judenschaft zu Königsberg, und besonders über das Gebet Alenu“ (S. 418); X. „Prüfung der Welt“, Abschnitt 4 & 5 (S. 425); XI. Jehuda Halevis „Elegie an die Burg Zion“ (S.425); XII. Proben rabbinischer Weisheit, in: Johann Jacob Engel Philosoph f. d. Welt

(S.436); XIII. acht der Briefe MMs ..in hebräischer Schrift oder Sprache (1770–1785) in deutscher Wiedergabe (S. 444–455).

7 (1845): Alphabetisches Verzeichnis der gesammelten Schriften MMs (S. VIIXIV); Einleitung zu MMs Übersetzung der fünf Bücher Mose (S. XVII–LV); Die fünf Bücher Mose (von Heymann Jolowicz der Orthographie des 19. Jh. angepasst) (S. 489); Berichtigungen und Zusätze zu sämtlichen Bänden der gesammelten Schriften MMs (S. 490–493).

V. Die Jubiläumsausgabe Als 1929 die Drucklegung begann, war eine sechsgliedrige Unterteilung für 16 Bände vorgesehen: I. Schriften zur Philosophie und Ästhetik; II. Schriften zur zeitgenössischen Literatur; III. Übersetzungen, Vermischtes; IV. Schriften zum Judentum, Übersetzungen biblischer Bücher; V. Briefwechsel; VI. Hebräische Schriften. Bis 1938 erschienen: Bände 1–3.1 zu Philosophie und Ästhetik; Band 7 zu Judentum; Band 11 Briefe 1754–1762; Band 14 Hebräische Schriften (wurde nach dem Druck bis auf ein Exemplar von der Gestapo vernichtet); Band 19 Briefe 1761–1785, in Hebr. Quadratdruck.

Seit 1972 erschienen dank des Einsatzes von Günther Holzboog, Frommann Verlag: Band 3.2 Philosophie; Bände 4–5.4 zur zeitgenössischen Literatur; Bände 6.1–2 Vermischtes; Band 7 Lavaterkontroverse, Ritualgesetze; Band 8 Vorwort zu Vindiciae Judaeorum, Jerusalem; „Über die 39 Artikel der englischen Kirche und deren Beschwörung“; Bände 9.1–2 Pentateuch-Übertragung; Bände 10.1–2 Übertragung von Psalmen, Hohe Lied, Hebr. Gedichte, Danklieder, das Alenu-Gebet, rabbinische Weisheit; Bände 12.1–2, 13 Briefwechsel 1763–1785; Bände 15.1–2, 16–18 Netiwot schalom (Wege des Friedens): Pentateuch in Facsimile der Hebr. gedruckten Pentateuch-Ausgabe, mit Exegese und deutscher Übertragung in Hebr. Quadratschrift; Band 22 entlegene zeitgenössische Texte zu MMs Leben und Wirken; Band 23 MM-Biographien bis 1827; Band 24 Porträts und Bilddokumente von und zu MM.

Vorgesehen sind zwei deutsche und ein hebräischer Registerband; die Register sind bisher für die 32 (in 33) im Druck vorliegenden Bände verzeichnet.

Stand im Jahr 2004

32 (in 33) Bände sind lieferbar.

Seit 2000 satzfertig aber Anfang 2004 noch nicht gedruckt sind:

I.

Band 20.1 (der 1938 bis auf ein Exemplar zerstörte Band 14: auf Deutsch, vermehrt und überholt):

I.

Mit Hilfe einer Nicolai-Rezension lässt sich eindeutig zeigen, dass MMs früheste Veröffentlichung: a) hebräisch als Kohelet Musar (Prediger der Sitten) 1750 erschien und b) es trotz H.M.Z. Meyers Aussagen (1965) nicht nur einen sondern zwei vollständige Abdrucke gibt (Leipzig und Vilna: jetzt New York). MM bekennt erstmalig englische Kenntnisse durch Übertragung der 81 Eingangsverse aus E. Youngs Night Thoughts: eine bewusste Aufforderung an jüdische Leser, die Angebote zeitgenössischer europäischer Literatur einzubeziehen. – Ein viertes Exemplar (London) hat den handschriftlichen Besitzervermerk des Hauslehrers bei MM (Salomon Dubno);

II.

Frühwerk des Maimonides mit MMs Kommentar;

III.

„Das Buch der Seele“;

IV.

Ecclesiastes in Übertragung und mit MMs Exegese auf Hebräisch;

V.

Dubnos Aufforderung zur Pentateuch-Übertragung mit seiner Wahl von Probekapiteln;

VI.

Subskriptionsliste, angeführt durch den dänischen König und seinen Bruder;

VII. Protokolleinträge der Gemeinde (1759–1783).

II.

Band 21.1 Nachträge I: Bisher verzeichnet waren 1038 Briefe von und an MM. Dieser Band bringt in den Jahren 1985–2003 gesammelte, unveröffentlichte und bisher verschollene Briefe sowie Addenda zu Stammbuchwidmungen und Gedichten.

Besonders erhellende Briefe sind: a) vom Lord Bishop von London (16. Februar 1782); b) italienische Übersetzung des Briefes an den Erbprinzen von Braunschweig (23. Januar 1770: deutsche Fassung ohne Datum; beide Briefe bitten wegen der religiösen, freimütigen Stellungnahme um sofortige Zerstörung); c) Briefe an Abbt aus dem Familienarchiv der Fürsten zu Schaumburg-Lippe (1762–1766); d) intensive Bemühung Johann Dietrich Wincklers, des Nachfolgers von Johann Melchior Goeze, um Zusammenarbeit mit jüdischen Exegeten (1771/1772); e) Erster Bericht über Lessings abgebrochene Reise nach England (13. August 1756); f) Bittbrief an Friedrich II. wegen Erlassung der Einquartierung (28. August 1766); g) die Einschätzung der Oppenheimer Bibliothek (24. August 1775); h) früher Brief an Kant (1764); i) Brief an/von polnischem Fürsten (November 1777); j) an Dohm über den Verbleib des entlaufenen Neffen des Franz Clemens von Fürstenberg (18. Mai 1782); k) der Konvertierungsversuch von Johann Ulrich Pauli in Hamburg (2. April 1785); l) Brendel Mendelssohn, verh. Veit, an W. v. Humboldt (18. Nov. 1788).

III.

Band 21.2 Nachträge II: Philosophica Inedita [Eva Engel]; Mathematica [Hans Lausch]; Judaica [Margit Schad]: I. 36 Fragmente zu Formulierung des Gottesbegriffs, zu Pflichten, zu Gebrauch von Freiheit und Notwendigkeit, und (August 1770) zu Widerlegung von Kants Begriff von ‚Raum‘ und ‚Zeit‘ (verkürzte Fassung in Kant Studien, Herbst 2004). II.

„Mendelssohn und die Mathematik seiner Zeit“. A. Jüdische Mathematiker im deutschen Sprachraum 1745–1785; B. MMs Kontakte zu nichtjüdischen Mathematikern; C. MMs Rezensionen über Mathematik und Mathematiker in Briefe, die neueste Litteratur betreffend; D. Mendelssohns Mathematik: a) Negative Größen; b) Wahrscheinlichkeit;. c) Differentialgrößen und das Cavalierische Prinzip; d) Musik und Mathematik.

III. Judaica: Gebet anlässlich des Siebenjährigen Krieges; Zur frühen Beerdigung der Juden; Psalmenkommentare; MMs Beantwortung der Michaelis-Rezension zu Dohm: Bürgerliche Verbesserung der Juden.

IV.

Band 25: Verzeichniß der auserlesenen Büchersammlung des seeligen Herrn Moses Mendelssohn. Berlin 1786. Die zur Auktion freigegebenen 1200 Bände enthalten weder religiöse Werke noch die deut schen Schriften Mendelssohns.

Der Band 25 enthält: A. Facsimile-Reproduktion des Auktionsverzeichnisses, unterteilt in der Reihenfolge von Folio-, Quart-, Oktav- und Duodecimo-Größen. B. Autopsierte Buchtitel in alphabetischer Reihenfolge der Verfasser. C. Alphabetisches Verzeichnis der Verleger. D. Anhang: Alphabetische Liste der Verfasser jeweils mit ihren Werken. Dazu biographische Kurzangaben zu Verfassern und Kommentatoren. Erst nach Vorlage dieser vier Bände können die zwei deutschen und ein hebräischer Registerband vollendet und abgeschlossen werden.

Bände 26.1 und 26.2 enthalten deutsche Register zu:

1. Conspectus (Inhaltsangabe aller Bände mit Bandnummer und Seitenzahl); 2. Werkverzeichnis aller gedruckten Werke;

3. Rezensionsartikel MMs;

4. Chronologische Briefkonkordanz;

5. Briefe von und an MM;

6. Buch- und Aufsatztitel alphabetisch nach Verfassern (Verlegernamen bis 1800) unterteilt in: a) in MM-Text, b) in Anm.;

7. Zitierte Zeitschriften (bis 1800 mit Hg. und Verlegernamen);

8. Zitate (von MM in Ursprache gebraucht);

9. Zitate (in MMs Übersetzung);

10. Personennamen (Lebensdaten, Beruf, Bezug auf von MM. erwähnte Schriften);

11. Begriffe;

12. Corrigenda (pure Druckfehler);

13. Addenda (bisher ausgesparte Anmerkungen);

14. Deutsch/hebräisches Glossar.

Band 27 Hebräischer Registerband: a) Hebräisch/deutsches Glossar; b) Personen; c) Buch- u. Zeitschriftentitel; d) Begriffe; e) Corrigenda zu Jubiläumsausgabe 7, 10.1,10.2, 14, 19; f) Konkordanz zu Stellen in Bibel und Talmud.

Noch in Bearbeitung sind: Band 9.3 Übertragung und Kommentar zu Mendelssohns Bi’ur zum Pentateuch.

Band 9.4 Das von MM 18 Monate in eigener Hand geführte Hauptbuch der Seidenfirma Bernhard & Co., das Einblick gewährt in deren 90 Geschäftspartner in 5 Ländern und 25 Städten. Hinzu kommt: bisher unveröffentlichtes Material aus dem Geheimen Staatsarchiv, das über MMs entscheidende Rolle in dieser von Friedrich II. zur merkantilen Gesundung Brandenburgs für besonders wichtig gehaltenen Industrie Beweis führt (Bearbeiterin Brigitte Meier).

 

Beide Bände führen ihr eigenes Register.

 

 

FEL