KUTATÁS

Larissa Hrotko

DIE PESTER STIEFTÖCHTER JÜDISCHER GESCHICHTESCHREIBUNG

Einführung ins Thema. Aufenthaltsgenehmigungen1

2020.06.26.

 

Die Kulturanthropologie forscht die Vergangenheit für die Zukunft. Sie geht den Dingen buchstäblich nach, trotzdem kann sie relevante Diskurse auch über das Bestehende anregen. Es ist eine Wissenschaft, die Menschen in ihrem gewöhnlichen existenziellen Umfeld beschreibt. Die humane Gemeinschaft wird also als typische kulturanthropologische Umgebung ermittelt.

In der bürgerlichen Gesellschaft des 18-19. Jahrhunderts war die ethnisch-religiöse gemeinschaftliche Zugehörigkeit verbindlich. Nach diesem Prinzip wurden die Bewohner zu einer für die städtische Verwaltungsbehörde kontrollierbaren und transparenten Einheit zusammengeschlossen, was jüdische Gewerbe- und Aufenthaltsgenehmigungen nachweisen können. Die Behörde von Pest verlangte für die Vergabe der Aufenthaltszulassungen die sogenannten „Zertifikate” oder „Zeugnisse“ ursprünglicher örtlicher Gemeinschaften der Bewerber, mit denen für die Antragssteller gebürgt wurde. Sollten die betroffenen Personen gegen die Gesetzte der Königlichen Freistadt Pest verbrochen bzw. die Normen des öffentlichen Verhaltens verletzt haben, wurden die Gemeinschaften sogar zur Rechenschaft gezogen und mussten nachweisen, dass das getadelte Verhalten der Personen nicht absehbar war.2

Obwohl die meisten jüdischen Antragssteller männlich waren, sind unter den Anträgen einige „weibliche“ Urkunden zu finden, die als seltene und daher besonders wertvolle Spuren gemeinschaftlicher und gleichzeitig gesellschaftlicher Anwesenheit der Frauen betrachtet werden können. Es ist zum Beispiel die mit Nummer 963 gekennzeichnete Seite, auf der ein Zeugnis vom August 1817 zu finden ist. Dieses Zeugnis wurde von Marcus Sachsel, einem der Anführer Pester jüdischer Gemeinschaft für Elisabeth Lövinger geschrieben und rechtmäßig unterzeichnet, um ihren Aufenthalt zu legitimieren. Auch die nächste Seite handelt vom zugelassenen Aufenthalt dieser Person in Pest, obwohl es da um einen früheren Zeitraum ihres Lebens ging. Die Urkunde vom 27. September 1815 wurde von Joseph Musikant und seiner Frau Katy (beide jüdischer Herkunft wie die hebräische Unterschrift auf dem Papier bezeugt) darüber ausgestellt, dass Frau Lövinger, „Eheweib“ Joseph Löws (Lövingers) bei ihnen seit 1788 gewohnt und sich „in Pest ehrlich ernähret“ habe.

Noch ein Nachweis legitimen Aufenthalts von Frau Lövinger und ihrer Zugehörigkeit der Pester jüdischen Gemeinschaft war eine Bescheinigung vom 19. Juli 1811, in der es stand, dass Mendel, der Sohn von einem Löv und „verwitweter Mutter Elisabeth Lövin am 10. des Monats Ijar des Jahres 5531, d.h. im Mai 1791“ von Philip Bauer beschnitten wurde. Israel Wahrmann als „Rabbiner allda“ bestätigte das Geschriebene durch eigene Unterschrift (Seite 965).

Als alleinstehende Witwe betrieb Elisabeth Lövinger, oder Lövin (auch Löwy genannt) das „Hausirer“- Geschäft ihres verstorbenen Mannes und galt demnächst als toleriert (Sache-Nr. 4735). Die ganze offizielle Korrespondenz mit Pester Behörde war wahrscheinlich nötig, um einen bestimmten Marcus Kirschner nach Pest zu bekommen, der zur Zeit des Briefwechsels zum Schwiegersohn von Elisabeth wurde. Der Antrag auf die Genehmigung seines Aufenthaltes ist im Dokument auf der Seite 967 zu lesen, in dem es steht, dass Frau Lövinger Herrn Kirschner für weitere Führung ihrer wirtschaftlichen Tätigkeit brauche. Sonst hätte Kirschner 3 Tage nach der „Copulation“ (Heirat) die Stadt verlassen müssen. Der Antrag wurde am 23. September 1819 unterzeichnet und der Behörde zugeschickt.    

     Die Unterlage einer anderen Sache von der Seite 766 enthält den Antrag von Frau Marle mit folgendem Text: „Hiesige Jüdin Judith Marle bittet ganz gehorsamst um allergnädigste Erfüllung der Tolerierung.” In einem 1819 ausgestellten Dokument von der Seite 1003 bat Catharina Prager um die Aufenthaltsgenehmigung. Ein weiteres „weibliches” Zertifikat ist auf der Seite 1030 zu lesen. Hier geht es um Jüdin Lena Jacobin, die seit 1790 in Pest lebte.

     In der jüdischen Korrespondenz von BFL entdeckte ich die beinahe endlose Geschichte einer weiblichen Person namens Rosalia Pichler (oder Pigler), die vielleicht gar keine Jüdin, oder aus dem Judentum durch Taufe ausgetreten war, denn unter ihren Papieren ist auch ein Brief zu finden, der ihre Taufe erwähnt (Nr. 774, ausgestellt von einem Pfarrer Joseph Seiger als Zeugnis gesellschaftlicher Registrierbarkeit). Darüber hinaus heiratete „Jungfrau Theresia Piglerin“ am 19. August 1805 in der (vermutlich evangelischen) Pfarrkirche von Buda Christian Friedrich Block, wegen dem ihr später sogar eine Abschaffung (d.h. Vertreibung aus der Stadt) drohte (Seiten 769, 776).

Aus diesem Grund wurde über mehrere Seiten der umfangreichen Korrespondenz beteuert, dass Frau Theresia alle Voraussetzungen des bürgerlichen Lebens in Pest erfüllt haben soll. So versicherte, zum Beispiel, Frau Maria Theresia Mildburg im Zeugnis von der Seite Nr. 773, dass „Theresia Piglerin 5 Jahre als Stuben-Mädchen bei mir recht fleißig” gearbeitet habe. Das Unglück geschah erst 1809, als die Kürschner von Pest den besagten Christian Friedrich Block auf Anklage einer Kundin „wegen Pfuscherei“ und dunkler Vergangenheit angezeigt hatten. Deshalb wurde vom Stadthauptmann Johann Weidinger beschlossen, dass Block „samt Weib“ (als Beilage sozusagen) von Pest abgeschafft werden musste (783-784). Die Briefe von den Seiten Nr. 786-787 aber wiesen nach, dass Block, geboren in „Hinter-Pomeranze“, ehrlich und tadellos gewesen sei. Er soll von seinen neidischen Mitbürgern unschuldig schlecht gemacht worden sein. Für seine Ehrlichkeit und bürgerliches Verhalten bürgten einige Hauseigentümer bzw. Vermieter und Staatsmänner wie z. B. Baron Davidovich, Graf Keller oder Graf Brunswick. Doch wie dieser Briefwechsel in die jüdischen Unterlagen geraten ist, bleibt unklar.3 Vielleicht, weil dieses Muster damals eher für die jüdischen Ansiedler in Pest typisch war. Auf jeden Fall ist die Sache von Theresia Pigler ein indirekter Nachweis behördlicher und gesellschaftlicher Kontrolle, der sich auch die jüdischen Ansiedler von Pest unterwerfen mussten.

Die Briefe weisen auch nach, dass die Frauen – aus welchen Gründen auch – mobil waren und ihre Wohnorte im Laufe des Lebens genauso wechselten wie die Männer. Die offiziellen Unterlagen jedoch lassen das weibliche Element nur schwer erkennen, was unter anderem auf die vermännlichten Frauennamen zurückzuführen ist. Die verheirateten Frauen traten ausschließlich unter Namen ihrer Ehemänner auf, sogar nach dem Ableben der Ehepartner konnten die Frauen nicht selbständig in der Öffentlichkeit figurieren. Weder in den Zeugnissen noch in den anderen Unterlagen wurden die ursprünglichen „Mädchennamen“ der Frauen erwähnt. Nur wenige von solchen Namen konnten aus Streitigkeiten um Toleranz und Legitimität des Aufenthalts in Pest entdeckt werden.  

 

Bildung jüdischer Familiennamen und weiblicher beruflicher Bezeichnungen zur Zeit der Ansiedlung in Pest

 

Die 34. Seite des Steuerbuches (Conscription) 18264 bewahrt den historischen Moment, in dem die jüdische Gemeinschaft die Notwendigkeit der Frauenarbeit anerkennen musste. Freilich geht es hier um die öffentliche Arbeit der Frauen für die Gemeinschaft, denn in der Familie bzw. dem Familiengeschäft arbeiteten die Frauen ja schon immer. Die öffentliche Frauenarbeit wurde durch ein deutsches morphologisches Element sprachlich legitimiert:5 Tolerierte Witwe und Mutter von 5 Kindern Anna Efinger wurde vom Gemeinde-Schreiber als „Hausirin“ eingetragen, obwohl alle berufstätigen Frauen bisher mit männlichen Berufsbezeichnungen auskommen mussten. Dass es in der jüdischen Gemeinschaft Hausiererinnen gab, wussten wir natürlich auch früher, doch jetzt wurde diese Tatsache mit Hilfe des Suffixes – in öffentlich anerkannt. Die Gemeinschaft sorgte weiterhin für ihre Witwen und Waisen, doch ohne „Selbstbeteiligung“ der Frauen an Kosten konnte sie die wachsenden Ausgaben nicht mehr allein tragen. Zu Beginn der 20-er Jahre neuen Jahrhunderts gab es in der Gemeindekasse sowieso nie Geld genug.

Die „weiblichen“ Suffixe verbreiteten sich schnell, so dass sie auch auf die weiblichen Familiennamen übertragen wurden. In den obigen Beispielen war schon zu sehen, wie sich die Namensbildung änderte: aus einem Löw (früher Löbl) wurde erst Löwy kreiert. Dieser Name wurde nach ungarischer Rechtschreibung zu „Löv(e)“ und letztendlich - mit Hilfe eines bekannten, geographisch eingesetzten Wortzusatz - zu Lövinger geändert.6 Das Suffix –er wurde nach dem Muster männlicher Berufsbezeichnungen den Namen zugeschrieben, jedoch geschah es unregelmäßig. So finden wir einen bekannten Altofener Namen im Steuerbuch einmal als Abelsberg (Marcus, der Sohn) und das andere Mal als Abelsberger (Baruch, der Vater) eingetragen (1826/806). Auch der Name „Spitz“ erschien auf einigen Seiten als „Spitzer“ geschrieben.

Nach Eintragungen des „Ungarisch-Jüdischen Dokumenten-Archivs“ (Magyar - Zsidó Oklevéltár) wurde das weibliche Suffix –in schon im 18. Jahrhundert vereinzelt eingesetzt. So berichtet eines der Bücher dieser Sammlung über die Witwe eines Gerbers, die Catharina Paufflerin hieß.7 Der Name einer jüdischen Pfandhändlerin aber erschien in einem anderen Serienband ohne Feminisierung als „judin Wolfel”.8

Elisabeth Lövinger wurde in den Unterlagen mehrmals als „Lövin“ erwähnt, doch zu „Lövingerin“ kam es nie. Bemerkenswert ist auch der feminisierte Name „Jacobin“ aus „Jacob“. Die Witwe Teres Krakkoi (1826/386, vermutlich „Krakow“ in der ursprünglicher Schreibung) wurde 1827 zu Theresie Krakkoin (1827/417).

Theresie Krakkoin fungierte übrigens als Sensalin (Agentin) für Dienstmädchen. Offiziell hieß ihr Beruf „Dienst Sensalin“. Bei ihr wohnten drei Dienstmädchen, deren Dienstleistungen Frau Krakkoin an die Juden vermittelte, die nur gelegentlich eine Aushilfe für Haushalt brauchten.9

Frau Theresie Krakkoin ist den Steuerbüchern nach in Gering geboren. 1827 war sie 46 Jahre alt und lebte seit 31 Jahren in Pest. Der 24-jährige Sohn und die 18-jährige Tochter von ihr lebten mit ihr zusammen. Nach dem Steuerbuch von 1826 war Theresie Krakkoin noch erwerbslos und gehörte zu den „Dürftigen“, die von einer minimalen Unterstützung der jüdischen Gemeinschaft lebten. Moralisch galt sie immer als „gut“. Die Änderung der Eintragung der wirtschaftlichen Lage könnte eine tatsächliche berufliche Steigerung bedeuten, jedoch ist es auch möglich, dass die bisherige Tätigkeit erst nach neuen wirtschaftspolitischen Entwicklungen legitimiert wurde.

Als Sensalin war auch die 58-jährige Regina Engel eingetragen, die 1827 schon 47 Jahre in Pest lebte. Geheiratet hat sie noch in Papa, wo ihre ältere Tochter zur Welt gekommen ist. Obwohl die Tochter schon 31 Jahre alt war, lebte sie noch immer im Haushalt ihrer Mutter. Auch die jüngere Tochter war mit 27 noch immer ledig, was davon zeugen könnte, dass die Familie kein Geld für die Verheiratung der Töchter hatte. Im Protokoll der Gemeinschaft10 las ich einige Anträge der Mitglieder auf finanzielle Unterstützung für Verheiratung der Kinder11, doch konnte der Name von Regina Engel in keiner der Eintragungen entdeckt werden.

Wie im Haus von Theresie Krakkoin bildete sich bei der Krankenwärterin Johanna Braun eine ähnliche berufliche Wohnkonstruktion (561/1827). Zusammen mit 74-järiger Johanna wohnten im Haus in der „2-Mohren-Gasse“ noch drei weitere verwitwete Krankenwärterinnen, die alle über 60 waren.12

Theresia Tettinger (vgl. Tetény – Tetting) zählte zu den vermögenderen Frauen der Gemeinschaft. 1826 noch als „Brandweinhändler“ wurde sie 1827 schon als „Brandweinhändlerin“ eingetragen. Theresia, Witwe von Leopold Tettinger bat 1829 um ein Gemeindezeugnis, um nachzuweisen, dass sie zur Erziehung von fünf minderjährigen Kindern auf die Beihilfe ihres Schwiegersohnes Daniel Hamburger angewiesen war.13 Das spricht dafür, dass Theresia doch nicht so vermögend war, wie ihre wirtschaftliche Tätigkeit vermuten lässt. Der Name „Tettinger“ erscheint zum ersten Mal 1791 unter den Dokumenten von „Intimata“.14 Wahrscheinlich war Jacob David Tettinger Subunternehmer in der Pachtgesellschaft, welche die sogenannte jüdische Garküche betrieb. Nach dem Tod Herrn Tettinger übernahm seine Tochter Catharina die Subpacht, die Garküche mit Wein (bzw. Brandwein) belieferte. Diese wirtschaftliche Beschäftigung scheint zur Familientradition der Tettingers geworden zu sein. Auch Frau Theresia Tettinger übernahm dieses Geschäft nach dem Tod ihres Mannes. Laut Dorffingers „Wegweisers“ bewohnte Frau Theresia Tettinger das Haus Nr. 1 in der Theresienstadt.15 Die Conscription vom 1827 konkretisierte diese Adresse auf die Landstraße, wo die meisten jüdischen „Traktteure“ (Gastwirte) ihre Wohnsitze und Stuben hatten. Übrigens wurde Theresia 1826 als toleriert unter Nummer 1 in der Conscription der Steuerzahler eingetragen.

 

Hausiererinnen und Trödlerinnen

 

Komischerweise ist das Suffix –in bei der Eintragung 411/1827 zweimal zu sehen: Das erste Suffix wurde eingesetzt, um den Familiennamen der Trägerin zu verweiblichen, das andere deutete auf deren Erwerbstätigkeit hin. Das Ergebnis sah so aus: „Magdalene Fleischhakerin hausirerin.” Dabei bedeutete „Fleischhackerin” in diesem Fall nicht die geschäftliche Tätigkeit, sondern wies wahrscheinlich auf den Namen des ersten Ehemannes der Frau hin. Denn es geht aus der Notiz zur Eintragung hervor, dass die 29-jährige Magdalene „das weib von Israel Katz” gewesen sei.

Warum Magdalene den Namen ihres ersten Mannes trug und wo der besagte Israel Katz zu dieser Zeit verweilte, wird wohl ein ewiges Geheimnis bleiben. Außer Magdalene und ihren drei Kindern wohnte ein 35-jähriger Lehrer aus Miskolc in der armen Wohnung in der Retig (Rettich) Gasse. Magdalene, die aus Banaut (Banat) stammte, doch seit 1818 in Pest lebte, verfügte über Toleranz, die ihr erster Mann noch 1805 erworben hatte. Die Söhne Aron und Immanuel müssen Zwillinge gewesen sein, denn beide waren zur Zeit der Eintragung vierjährig. Auch eine siebenjährige Tochter gehörte zur Familie.

Der Beruf des Hausierers war wegen großer Verbreitung unter den jüdischen Ansiedlern in Pest stark differenziert. Am Anfang der Conscription 1827 sind Eintragungen der 27-jährigen Schnittwaren-Hausiererin Rachel Neuwirth aus Altofen bzw. der ebenfalls verwitweten Schnittwaren-Hausiererin Barbara Bankwein aus Boschkowitz.

Anna Winter betrieb das Altkleider-Hausiergeschäft (387/1827). Anna kam 1824 aus Tschechien in Pest. In demselben Jahr brachte sie einen Sohn zur Welt und verlor ihren Ehemann. So blieb sie mit 4 Kindern in einer fremden Umgebung ganz auf sich angewiesen. Der 17-jährige Sohn Salamon konnte zum Glück schon arbeiten. Er wurde als Lehrer eingetragen. Im Haus wohnte noch ein Leopold Engel, 15 Jahre alt, und Leopold Karinther (Korinther), der blind war. Vielleicht wurde dieser körperliche Fehler zu einer finanziellen Quelle seiner Existenz, denn es wurde in der Eintragung der Familie Winter in einer Sonderspalte notiert.

Nicht alle Hausiererinnen hatten Arbeitszulassung oder Toleranz (bzw. Commoranz), sehr viele lebten in Pest illegal. Die Eintragung Nr. 401 in der Conscription 1827 bezog sich auf Witwe Anna Freibauer, Hausiererin aus Maglod. Mit zwei Töchtern – die jüngere war erst 1,5 Jahre alt – kam sie allein in Pest an. Anna mietete eine Wohnung, die sie aber vom eigenen Einkommen nicht bezahlen konnte. Bei ihr wohnte noch der 22-jährige Jakob Schwarz Pfeifen-Hausierer aus Graz, der zur gleichen Zeit wie Anna in Pest kam und dort ohne jegliche Genehmigung lebte.

Die Toleranz erbten die Frauen übrigens nicht nur von ihren Ehemännern, sondern auch von den Vätern, was z. B. der Fall von Adelheit (Adelheid), der Tochter des Tolerierten Mayer Hirschl Wiener nachweist. Nach dem Tod Wieners veräußerte sein Schwiegersohn die Toleranz-Unterlage, doch ließ Adelheit die Sachen nicht auf sich beruhen und verklagte ihren Schwager vor dem Gericht der Gemeinde. Das Urteil der Gemeinde fiel für Klägerin positiv aus.16 

 

Frauen in den nicht handelsgewerblichen Berufen

 

Die Berufsbezeichnung des Koscher-Bäckers wurde nach der Conscription 1827 vor allem mit den Frauennamen verbunden. Beer Theresie (53), Freind (Freund, 47) Teresie und Barbara Wolf (51) waren Bäckerinnen, die ihre Steuern bezahlten. Alle drei Mütter waren verwitwet.

Sehr beliebt war unter jüdischen Witwen das Gaststättengewerbe. Theresie Schloßberger aus Tetting war 53 Jahre alt. Sie wohnte in der Landstraße und betrieb ihr Geschäft ohne Unterstützung der Familie mit Hilfe eines 22-jährigen Dienstmädchens aus Bayern.

Träteurin Regina Abeles aus Paks betrieb eine Kneipe. Im Koscher-Weingeschäft arbeitete auch Regina Wolf aus Altofen, bei der die tolerierte Witwe Anna Weller wohnte. Der Conscription nach kam Anna aus Prag und war offiziell als „Mutter” eingetragen.

Zweimal kommt im Steuerbuch 1827 der Beruf mit Bezeichnung „Bringerin” (396, 492/1827) vor. Wahrscheinlich ging es dabei um Spediteur-Geschäfte. Unter Eintragung 396 ist der Name einer 27-jährigen Franziska Rosen zu finden, die ihr Geschäft zusammen mit Bruder Avram führte. Aus einer Notiz zur Eintragung geht hervor, dass Franziska verheiratet war, obwohl ihr Mann getrennt von ihr lebte:

 

...ist bei militär, und sie nicht bei ihm (1827/396).

 

Es gab auch andere weibliche Berufe, wie Lederfärberin, oder Näherin bzw. Handarbeiterin. Die Pester Behörde17 und das Management der jüdischen Gemeinde unterstützten die Errichtung einer weiblichen Lehrstelle für Handarbeit, um dadurch die Zahl der jüdischen Bettlerinnen zu reduzieren:

 

Abraham Koppel machet die Anzeige, dass die Mädchen-Schule zu allerletz weibliche Hand- und Kunstarbeiten den Wünschen des P. J. Herrn Magistrats-und Schuldirektors J. Boraros bereits eingerichtet mit der Bitte solche publiciren zu lassen“. 18

 

Trotz offizieller Förderung waren die Handarbeiterinnen wie z. B. Eleonora Deutsch (625/1826) ziemlich arm, einige von ihnen lebten sogar unter durchschnittlicher Existenzmarke. Die meisten berufstätigen Jüdinnen arbeiteten als Köchinnen bzw. Dienstmädchen.19

Bemerkenswert ist es, dass die Eintragungen der Dienstmädchen und Köchinnen noch weniger persönliche Informationen enthielten als die anderen. Während die verheirateten Familienmütter mindestens unter Familiennamen ihrer Ehemänner in der Conscription 1827 erschienen, blieben die Namen des weiblichen Dienstpersonals oft einfach unbekannt. Manchmal wurden die Namen der Dienstmädchen von den Namen der Ortschaften abgeleitet, aus denen sie gekommen sein sollen. Hier sind einige Beispiele aus dem Steuerbuch 1827:

 

EINTRAGUNG NR.                               NAMEN DES WEIBLICHEN DIENSTPERSONALS OHNE

FAMILIENNAMEN

47     Rosalie
155   Teres
177   Barbar. (Abkürzung)
255   Josepha
540   Teres
548   Teres
864   Franziska
881   Regine
883   Rosalie
896   Barbara
961   Ana20

BEISPIELE GEOGRAPHISCHER NAMENSGESTALTUNG:

136   Rosalie Austerlitz – aus Austerlitz
150   Katrine Staumpfen – aus Staumpfen
552   Teresie Schoßberg – aus Schoßberg
574   Teresie Bitschke – aus Bitschke usw.

 

Aus den Forschungsangaben über die verheirateten Ehefrauen stellte sich heraus, dass nicht alle Jüdinnen früh heirateten, obwohl die Eheschließung und Gründung eigener Familie aus den traditionellen Vorstellungen über Frauenexistenz und/oder finanziellen Gründen tatsächlich ein Lebensziel für die Frauen bildeten. Es gab natürlich Frauen, die mit 12-16 Jahren heirateten, doch bekamen nicht wenige Frauen erst mit 30 ihr erstes Kind. Die Eheschließung hing nicht nur von eventuellen Wünschen der Kandidaten ab, sondern vor allem mit der finanziellen Lage der Familien zusammen. Deshalb blieben die meisten Köchinnen und Dienstmädchen sehr lange ledig, wie die untenstehenden Angaben zeigen:

EINTRAGUNG NR:                          NAME UND ALTER:

 1               Josefe Klein (24)
68             Julia Fischer (25)21
136           Rosalie Austerlitz (42)
232           Katrine Engel      (45)
316           Rosalie Simon (40)
420           Regina Kritzler (28)
475           Katrin Simon (33)
537           Bernad Franziska (28)
548           Teres (38)
778           Rosalie Trebits (35)
806           Rosalie Salamon (35)
837           Marie Weissmann (45)
849           Teresie Freier (35)
892           Katrine Lasar (35)
921           Katrine Firs (40)
986           Mari Weiss (28)

 

Zusammenfassung: Gesellschaftliche Legitimierung von Pester Jüdinnen

 

Die männerorientierte Geschichte des Pester Judentums sollte so bald wie möglich umgeschrieben werden, weil die bisherigen Varianten der Geschichteschreibung die Frauen entweder völlig wegließen oder nur einen kleinen Teil der Geschichte für sie sicherstellten, als wollten die Autoren die sekundäre gesellschaftliche Stellung der Frauen durch ihre Texte endgültig bestätigen.

Sozialdarwinismus - die Theorie des späten 19. Jahrhunderts, welche die Ungleichheiten in der Gesellschaft biologisch erklärte und rechtfertigte – lag zu Beginn jüdischer Ansiedlung in Pest noch nicht auf dem Tisch, doch wies das wirkliche Genderverhältnis innerhalb Pester jüdischer Gemeinschaft die mit den moraltheologischen Glaubensgeboten übereinstimmenden Grundthesen dieser Theorie auf. 22

Eine Reihe von Forscherinnen studiert weltweit die Genderverhältnisse in verschiedenen Gesellschaften und Gemeinschaften. In der Abhandlung zu dieser Problematik erwähnt Klezina I. S. (Russland) die USA-Anthropologin Nancy Riss, die nach der Analyse gesellschaftlicher Vorstellungen über Frauen und Männer das Wesentliche der männerorientierten Kultur zusammenfassen konnte. Nach Angaben der Analyse sei die Gesellschaft durch Männer vertreten. Die Männer sollen nämlich zivilisierter als die Frauen sein, welche die „rohe“ Natur symbolisieren. Diese Meinung kommt in der Sprache, in der darstellenden Kunst und sogar in der Wissenschaft zum Ausdruck. So entstanden dualistische Begriffe, die Beweise dafür liefern, dass das Verhalten von Frauen vom Körperlichen bestimmt werde. Die Frauen lassen sich von Leidenschaften und Instinkten (wie z. B. Mutter-, oder Erziehungsinstinkt) leiten, während die Männer vom Verstand und Intellekt geführt werden. Der Platz der Frau sei daher in der Familie, während die Umwelt der Männer die Öffentlichkeit, die Politik und Geschäftsleben seien.

Einer der Faktoren, die bei der Herausbildung vom sekundären gesellschaftlichen Frauenbild mitwirken, sei - nach Meinung der Genderforscher - die Gendercharakteristiken vorbestimmende Arbeitsverteilung. Nach dieser Art „historischer“ Arbeitsverteilung wird vom Mann die produktive Aktivität erwartet, während die Reproduktion der Arbeitskraft, d.h. der Lebensbedingungen für die Frauen vorbestimmt wird. Solche Arbeitsverteilung führte zur „Abschiebung“ der Frau über die Grenze der öffentlichen Sphäre. Die physische Anwesenheit der Frau in der Gesellschaft wurde zwar zur Kenntnis genommen, doch nicht legitimiert. Die Frau leistet demnach die verborgene Schwarzarbeit, die niemand sieht, die für die innere Anwendung vorgesehen wird. Die Tätigkeit der Frauen mag zwar nützlich sein, doch erscheint sie sekundär und daher nicht wirklich wertvoll:23

Одним из факторов, влияющих на формирование вторичности образа женщины, является, по мнению гендерных исследователей (…), тот тип разделения труда, который строго определенным образом закрепил в культуре ряд характеристик, имеющих отношение к полу. На мужчину здесь возложена активность, связанная с производительным трудом, а на женщин — с обеспечением воспроизводства рабочей силы, т. е. условий по поддержанию жизни. Такое разделение труда привело к тому, что женщина «отодвигается» за пределы общественной сферы. Она выполняет то, что скрыто, что «никто не видит», что предназначено для внутреннего употребления, что необходимо, но вторично. Этот вид труда не учитывается обществом как реально значимый, и женщина как его носительница приобретает более низкий статус, чем мужчина.

 

Die vom Mann zu verrichtende Arbeit trägt zur Erhaltung der Verbindung zwischen der Familie und der Außenwelt bei. Die Haupttätigkeiten dieses Prozesses sind Produktion und Geldbeschaffung. Die Rolle des Mannes kann also als instrumental bezeichnet werden. Die Rolle der Frau ist aber expressiv, denn sie sorgt vor allem für die Harmonie und internes emotionales Klima der Familie: Sie versorgt die Kinder und den Haushalt.

Solche Lebensstrategie galt für die Situation der jüdischen Ansiedlerinnen in Pest, die von den Männern der Gemeinschaft so versteckt wurden, dass man nicht einmal ihre Namen kennt.

Die Namen der Ehefrauen tauchten erst in der Conscription 1827 auf, was den ersten Schritt in Richtung der gesellschaftlichen Anerkennung (d.h. Berechtigung) der Frauen bedeutete. Aufgrund der Forschungsquellen kann allerdings nur über den inneren Strukturwechsel der jüdischen Gemeinschaft diskutiert werden. Doch war diese Entwicklung für die Frauen genauso wichtig wie die Legitimierung von jüdischen Geburts- oder Heiratsurkunden für die erfolgreiche Integration der Juden in der Pester Gesellschaft.

Die existenziell-wirtschaftlich begründete Ansiedlung in Pest wurde von den Männern geplant und ausgeführt, während die ersten jüdischen Ansiedlerinnen lediglich ihren Männern folgten. Die Idee der Übersiedlung stammte nicht von den Frauen, doch mussten sie bei der Ausführung kräftig mitwirken. Der Wohnortwechsel bedeutete ja auch den Umzug vieler Kinder, was vor allem die Frauen meistern mussten. Mehrere Frauen müssen derzeit, oder sofort nach dem Ankommen in Pest schwanger gewesen sein, obwohl es in Pest nicht einmal eine entsprechende Wohnung zu mieten gab. Mit einer schnellen ärztlichen Hilfe, physischer oder finanzieller Unterstützung konnten die Frauen auch nicht rechnen. Nicht umsonst ließen die wohlhabenderen Familienhäupter ihre Familien erst später nachkommen. Das ungünstige Klima der neuen ökologischen Nische, schlechte sanitäre Bedingungen24 und die Notwendigkeit mit vielen Menschen kleinere Wohnflächen zu teilen, wirkten negativ auf den biologischen Zyklus der Frauen aus, was die Lebensqualität von Frauen und Kindern beeinträchtigte und zu den häufigen Schwangerschafts- bzw. Geburtskomplikationen, Krankheiten und Steigerung der Sterbezahlen beigetragen haben kann. Die fast permanente Schwangerschaft missbrauchte den Frauenkörper und untergrub ihre körperlich-geistige Gesundheit. Die Reproduktion der Gemeindemitglieder und Versorgung der Nachkommenschaft durfte aber nicht eingestellt werden. In dieser Hinsicht waren die Frauen unentbehrlich.

Außer der Verrichtung von endlosen Kinderproduktions- und Haushaltsaufgaben müssen die Frauen an der Geschäftstätigkeit der Familien teilgenommen haben, da es derzeit nur wenig jüdische Handwerkergesellen in Pest gab. Darüber hinaus waren die meisten Familien sowieso zu arm, um Facharbeitskräfte aufnehmen zu können. Eine Ausnahme bildeten vielleicht die Köchinnen oder Dienstmägde, die oben schon erwähnt wurden. Ich vermute jedoch, dass sehr viele Haushaltsarbeiterinnen zu den arbeitsgebenden Familien oder deren näherem Bekanntschaft-Kreis gehörten. Es gilt vor allem für die armen bzw. „dürftigen“ Familien, die Informationen an die noch ärmeren oder bedrängten Verwandten in der Urheimat übermittelten. Ein Beispiel dafür ist Familie Bannat (1826/363), die 1809 aus Galizien kam. Der Ehemann war schon über 70, das Dienstmädchen Barbara kam auch aus Galizien, aber erst 1825. Vermutlich hatte sie eine direkte Adresse für den Umzug.

Bei Dienstmädchen und Köchinnen wird die Beziehung zur Urheimat der ersten jüdischen Ansiedler sichtbar. Diese Beziehung wird bei der Behandlung der jüdischen Integration nie berücksichtigt, als hätten die Auswanderer alle Verbindungen mit der alten Heimat sofort abgebrochen.

Die zur Forschung der Lebensverhältnisse von ersten jüdischen Ansiedlerinnen dienenden Archivdokumente stammten aus der Zeit der ersten und zweiten Generationen des Pester Judentums. Alle Dokumente wurden von Männern verfertigt, die traditionell auch in den Frauenangelegenheiten Urteile fällten. Die Schreiber und Beamte verfassten im Namen der Frauen ihre Beschwerden und Bitten nach eigenem Geschmack. Es ist zweifelhaft, ob sie das Wesentliche jedes Mal wirklich verstanden haben, da es zwischen den Mitgliedern auch sprachliche Unterschiede gab. Die verwirrende Abfassung des Ehekrieges in der Familie Berger könnte auf diese Tatsache zurückgeführt werden25.

Die weiblichen Eintragungen im Gemeindeprotokoll waren auffallend kurz, während die öffentlichen Berichte der Männer manchmal sogar viel zu ausführlich geschrieben wurden. In diesen Berichten figurierten die Männer mit vollen Namen, vor denen die männliche Anredeform „Herr” (oder kurz „H”) stand, die gesellschaftliche Bedeutung der handelnden Personen betonte. Hier ist ein Beispiel von der Seite 42 des Protokolls, auf der folgende Eintragung zu lesen ist:

„Bela Witwe des Wolf Hollitsch bittet um monatliche Unterstützung”.

Der diesbezügliche Beschluss des Vorstandes lautete anders:

„Wird nach Einsicht der Armen-Kassa von Cassirer Herrn K. Hirsch ihr eine monatliche Unterstützung angewiesen”.

Diese kleinen Texte lassen in die Genderverhältnisse jüdischer Gesellschaft tief blicken. Durch sprachliche Zeichen wird die öffentliche, allgemeinwichtige Aktivität der Männer bzw. der sekundäre Frauenstatus ganz klar dargestellt. Hinzuzufügen ist es noch, dass die frauendiskriminierende Atmosphäre solcher Eintragungen auch die Chronisten vergiftete, die Berichte für nachkommende Generationen erstatteten. So wird es klar, warum die Historiker nur über die Männer schrieben!

In den Gemeindebüchern entdeckte ich viele Studierenden, unter denen sogar Philosophie-Studenten und Augen-Medikus zu finden sind. Alle Studenten waren männlich. Frauen lernten nur an der Normal- (Grund) Schule. Es gibt Statistiken, die nachweisen, dass die jüdischen Frauen im Bereich der akademischen Ausbildung bzw. Fachschulung zu Anfang des 20. Jahrhunderts den Männern noch immer unterlagen.26 100 Jahre davor war die Lage sicher nicht besser. Die mangelnde Ausbildung beschränkte die Wahl möglicher Arbeitstätigkeiten der Frauen. Zwar gab es in den 1840-er Jahren einige neuen Arbeitsmarktnischen, wie z. B. Zigarettenarbeiterin, doch konnten die Frauen damit nicht viel anfangen. Auch diese Arbeit war typisch weiblich: monoton und schlecht bezahlt.

Im späten 19. bzw. zu Anfang des 20. Jahrhunderts haben sich Frauenbefreiungsbewegungen auch in Ungarn durchgesetzt. Warum unter den ersten Feministinnen so viele Jüdinnen waren, ist die Frage einer anderen Abhandlung.27 Die feministische Wissenschaft entdeckte ihre Chancen erst in der zweiten Hälfte vorigen Jahrhunderts. Aus diesem Grund stehen noch viele Fragen auf diesem Gebiet offen.

Die Suche nach Methoden und Formen von Frauenforschungen läuft weiter. Keins der menschlichen Geschlechter dürfte Recht auf alleinige Vertretung der Menschheit bilden. Nachdem der Feminismus diese Grundthese festgelegt hat, brauchen wir nun zu klären, ob sich die feministische Forschung ganz von den bisherigen Formen trennen sollte, indem sie als eine selbständige Disziplin die Frauenproblematik behandelt, oder sie sollte neue Segmente in den bestehenden wissenschaftlichen Bereichen für sich erschließen. Dabei entstehen Fragen, die zwar verständlich, jedoch eindeutig vielleicht bisher nur auf dem Gebiet der feministischen Philosophie bzw. Theologie angesprochen wurden.28

Auf dem Gebiet der Kulturforschung wird vorläufig noch gefragt, ob die Forscherinnen ihr Feld anders bearbeiten als die Forscher. Die Frage ist interessant und ich würde sie mit einem eindeutigen „Ja” beantworten, aber die Auslegung dafür gehört nicht zur Kompetenz dieser Arbeit. Und eine weitere berechtigte Frage formulierte sich inzwischen: Ist die Geschlechtsforschung als Forschungsfeld vielleicht doch eher interdisziplinär? Die „disziplinäre Herkunft” der Forschenden könnte bei der Auslegung sogar hinderlich sein.29

Methodisch angesehen versucht die vorliegende Arbeit an der Negativität feministischer Forschungen zu mindern, indem sie über feministische Kritik der Frauenlage hinaus neue relevante Informationen zur Anfangsperiode jüdischer Ansiedlung in Pest sowohl den weiblichen als auch den männlichen Lesern bietet.

 

LITERATURVERZEICHNIS

2007, 2008

Judith Butler, Gender Trouble, Reprinted, ISBN 10: 0-415-38955, 13: 978-0-415-38955-6

1827

Dorffinger, A. J. Weg weiser für Fremde und Einheimische durch die königliche ungarische Freystadt Pesth, Pest

1988

R. Slomo, Ganzfried

קיץור שולחן ערוך

Kizur Schulchan Aruch, III. kötet [Band] Budapest.

2006

Hell Judit, Van-e feminista filozófia? Budapest, ISBN 963-9210-46-3

2008

Larissa Hrotko, Dynamik, Geographie und Gesellschaftsspezifik der jüdischen Ansiedlung in Pest um die Mitte des 19. Jahrhunderts In: Acta Ethnographica Hungarica, Akadémiai Kiadó Budapest, 53 (2), pp. 263-276

2009

Hrotkó, Larissza, Ungarische Frauen im Aufbruch zwischen Religion(en) und Politik. Ein Überblick über die Entwicklung der ungarischen Frauenbewegung In: Feministische Zugänge zum interreligiösen Dialog, Jahrbuch der Europäischen Gesellschaft für theologische Forschungen von Frauen, 2009, pp. 153-164. ISBN 978-90-429-2290-7

2010

Hrotkó Larissa, Tisztelgés régi bábák és ápolónők előtt [Ehrenbezeugung vor den Hebammen und Krankenwärterinnen von früher] In: Remény 13. évf. 2. szám, pp. 55-58.

2011

Hrotkó, Larissa, Gesellschaftliche Legitimation jüdischer Frauen In: Women and Religion. Dignity of the Woman as Dignity of the Human Being, Verbum-Cluj, pp. 225-230, ISBN 978-606-8059-49-5

2003

Wolfgang, Katschuba, Einführung in die Europäische Ethnologie, München 1999. 2. Auflage:

2002

Karády Viktor, Nők a modern felsőbb iskolázás korai fázisában, in: A zsidó nő, Budapest, pp. 29-50

2004

Клецина И. С. Гендерная психология. Теория и практика. СП-б. Алетейя

1938

Magyar-Zsidó Oklevéltár IV. kötete (szerk. Kováts Ferenc), Budapest

1961

Magyar-Zsidó Oklevéltár VI. kötete (szerk. Grünvald Fülöp és Scheiber Sándor), Budapest

 

ARCHIV-DOKUMENTE:

Budapester Hauptstädtisches Archiv

BFL, Letelepedési ügyek. Zsidó Lakhatási jogok. [Aufenthaltsgenehmigungen] 1786-1817. IV. 1202/pp.

BFL: IV. 1202.c. Intimata a. m. 4647, 4957, 1789-1850 

Jüdisches Archiv

PIH I-7. 1/1826 – Összeírás [Conscription] 1826

PIH I-7. 1/1827 – Összeírás [Conscription] 1827

PIH. 90. 63 [Protokoll 1828-1833]



1 Budapester Hauptstädtisches Archiv (BFL), IV. 1202/pp. [Jüdische  Aufenthaltszulassungen].

2 Spuren des Misstrauens sind z. B. in der Korrespondenz auf den Seiten 553-897. bezüglich des Antrags von Jacob Abraham aus Alt Ofen zu finden. Siehe in: BFL, Letelepedési ügyek 1786-1817. IV. 1202/pp. Zsidó Lakhatási jogok.

3 BFL 1202/pp. 774 kk.

4 Jüdisches Archiv. PIH I-7. 1/1826 – Összeírás [Conscription] 1826

5 Über die Frauen-Eintragungen in den jüdischen Unterlagen siehe noch: Hrotkó, Gesellschaftliche Legitimation jüdischer Frauen In: Women and Religion. Dignity of the Woman as Dignity of the Human Being, Verbum-Cluj, 2011, 225-230, ISBN 978-606-8059-49-5

6 Vgl. mehrere Schlesinger, Hoslinger usw. So z. B. Witwe des Bernat Schlesinger im Protokoll der Pester Gemeinde auf der Seite 10. Jüdisches Archiv. PIH. 90. 63 [Protokoll 1828-1833]

7 MZSO VI. 582-583.

8 MZSO IV. 353/17.

9 Hrotko, 2011, p. 230

10 Jüdisches Archiv. PIH. 90. 63 [Protokoll 1828-1833]

11 z. B. Protokoll-Seite 11: Eintragung vom 25. Mai 1828 darüber, dass Schulsänger Jacob Singer um die Unterstützung für Verheiratung seiner jüngeren Tochter bittet. Da diese Bitte nicht sofort erfüllt werden konnte, wiederholte er seinen Antrag im September desselben Jahres (Protokoll-Seite 25).

12 Hrotkó L., Tisztelgés régi bábák és ápolónők előtt [Ehrenbezeugung vor den Hebammen und Krankenwärterinnen von früher] In: Remény 2010, 13. évf. 2. szám, pp. 55-58.

13 Protokoll, 42

14 BFL: IV. 1202.c. Intimata a. m. 4647, 4957, 1789-1850 

15 Dorffinger, A. J. Wegweiser für Fremde und Einheimische durch die königliche ungarische Freystadt Pesth, Pest, 1827, p. 555

16 Protokoll, 136

17 Zur Förderung der weiblichen Handarbeit wurde sogar eine wohltätige Frauenorganisation gegründet. Siehe z. B. Nemz. Gazd. 1818 (1) 124-137.

18  Protokoll, 26

19 Larissa Hrotko, Dynamik, Geographie und Gesellschaftsspezifik der jüdischen Ansiedlung in Pest um die Mitte des 19. Jahrhunderts In: Acta Ethnographica Hungarica, Akadémiai Kiadó Budapest, 53 (2), pp. 263-276 (2008)

20 Die Frauennamen werden entsprechend der jiddischen Form transkribiert.

21 Julia Fischer war nach der Eintragung verheiratet.

22 Dabei werden nicht nur die Thora (Heilige Schrift), sondern auch Talmud, Schulchan Aruch und andere rabbinische Belehrungen gemeint.

Genderrollen bestimmen unter anderem Vorschriften der Eheschließung – siehe Kizur Schulchan Aruch 1988. III. B. Kapitel CXLV (26. Punkte). 838-844.

23 Клецина И. С. (Klezina I. S.) Гендерная психология. Теория и практика. СП-б.Алетейя 2004. p. 229

24 Eine Protokoll-Eintragung enthält die Beschwerde der jüdischen Einwohner über gesundheitliche Gefahren um die Koscher-Fleischbank. (Protokoll, 99)

25 Protokoll-Seiten: 76, 95

26 Karády Viktor, Nők a modern felsőbb iskolázás korai fázisában, in: A zsidó nő, Budapest, pp. 29-50

27 Hrotko, Ungarische Frauen im Aufbruch zwischen Religion(en) und Politik. Ein Überblick über die Entwicklung der ungarischen Frauenbewegung In: Feministische Zugänge zum interreligiösen Dialog, Jahrbuch der Europäischen Gesellschaft für theologische Forschungen von Frauen, 2009, pp. 153-164. ISBN 978-90-429-2290-7

28 Als Beispiel für philosophischen Feminismus: Hell Judit 2006

Aus dem Gebiet der Theologie werden hier einige Titel der Jahrbücher von ESWTR (Europäische Gesellschaft für theologische Forschung von Frauen) als Beispiel angeführt: Feministische Theorie, feministische Theologie und die politischen Implikationen (10/2002), Theologische Frauenforschungen in Mittel-Ost-Europa (11/2003), Religiöse Ursprünge, Traditionen, Kontexte und Identitäten (14/2006), Feministische Zugänge zum interreligiösen Dialog (17/2009).

29 SieheGeschlechtsproblematik”: Kaschuba 2003. 159-165

„Women” as the subjekt of feminism In: Judith Butler, Gender Trouble, pp. 2-8

 

FEL